Lokführerstreik - Einkommensvergleich innerhalb Europas
Ob der Streik der Lokführer der DB AG -soweit sie in der GDL organisiert sind-berechtigt erscheint oder nicht, hat auch in der Öffentlichkeit teils heftige Diskussionen ausgelöst. Auch über die Frage, ob sich Lokführer mit ihren Interessen aus dem Bahnpersonal herausheben dürfen, weil sie besondere Verantwortung tragen und sich deshalb als besondere Berufsgruppe mit eigenen Einkommensvorstellungen sehen, hat viele Diskussionen verursacht. Das Management der "Deutsche Bahn AG", insbesondere der Bahn-Personal-Vorstand (repräsentiert durch Frau Margret Suckale) kann dieser Einstellung der GDL und ihrer Mitglieder nicht zustimmen. Der Arbeitskampf dauert an. Wir haben uns zunächst mit unserer Meinung zurückgehalten, da die Lösung der Probleme allemal Sache der Tarifpartner ist und ein Abschluss/Teilabschluss anzunehmen war.

Ohne Partei zu ergreifen, stellen wir fest: Im Rahmen der bestehenden Gesetzgebung ist es das legale Recht aller Berufsvertretungen (Beamte ausgenommen), in Tarifverhandlungen zu treten und Gewerkschaften haben das grundsätzliche Recht, ihre Forderungen mit Arbeitskampfmaßnahmen zu begleiten, ebenso wie der Arbeitgeber berechtigt ist, auszusperren, soweit dies sozialverträglich bleibt.

Die Tarifhoheit der Tarifvertragspartner in unserem Lande ist gewiss nicht infragezustellen. Infragegestellt wird durch die "Deutsche Bahn AG" offenbar, dass eine Gewerkschaft wie die GDL nicht für die Lokführer alleine "Privilegien" aushandeln dürfe, sondern das gehe nur gemeinsam in einem gemeinsamen Tarifvertrag für a l l e Berufsgruppen der Bahn. Lassen wir das soweit im Raum stehen.

Erinnern wir uns aber an Warnungen der Beamtenvertretungen und an Warnungen von vorausschauenden Politikern vor Jahrzehnten schon, das Berufsbeamtentum abzuschaffen, den Öffentlichen Dienst zu privatisieren oder teilweise zu privatisieren, w e i l damit der streikfreie Raum (Beamte dürfen nicht streiken) abgeschafft oder verkleinert würde. Man hat damals an die Lokführer, an die Polizei usw. gedacht und sich ausgemalt, was passiere, wenn auch diese Berufsgruppen einst streiken dürfen. Genau diese Situation haben wir heute: Man hat auch für Lokführer teilweise den Angestelltenstatus zugelassen und wundert sich jetzt, dass sie sich gewerkschaftlich organisiert haben und ihre Forderungen auf legale Weise durchsetzen möchten.

Den noch verbliebenen verbeamteten Lokführern würden Einkommensverbesserungen der gewerkschaftlich organisierten Kollegen im Laufe der Folgejahre wie üblich nicht verwehrt werden können. So war es jedenfalls in der Vergangenheit in anderen Bereichen des Öffentlichen Dienstes zu beobachten (Anpassungsklauseln im Besoldungsrecht).

Nun ist der Bahnvorstand durchaus bereit, eine Einmalzahlung plus 10 Prozent mehr "Lohn" zu gewähren (Lohn heißt es übrigens beim Arbeiter, da Lokführer aber Angestellte sind, müßte es wohl "Gehalt" heißen. Beamte erhalten "Bezüge"). Das nur zur Begriffsverwirrung da und dort.

Recherchiert man bei europäischen Bahnverwaltungen allgemein, dann sieht man schnell, dass unsere deutschen Lokführer im Vergleich unterbezahlt sind. Lebenshaltungskosten anderswo sind berücksichtigt.
Machen Sie sich selbst ein Bild aus folgender Tabelle, die uns die GDL zur Verfügung stellte, die wir aber selbst durch Telefonate mit mehreren Auslands-Bahnverwaltungen bestätigt fanden:

EINKOMMENSVERGLEICH VON LOKFÜHRERN IN EUROPA (deutsche Lokführer haben das g e r i n g s t e Einkommen)
Beispiel 1: Lokführer 25 J. alt, ledig, keine Kinder, 2 Jahre Berufserfahrung
Deutschland Schweiz Spanien Niederlande Frankreich Italien
Netto 1.288,--EURO 2.657,--E 1.750,--E 1.570,--E 2.370,--E 1.800,--E
Zulag.150,-- -300,-- 250,-- -500,-- ca. 900,-- ca. 250,-- ca. 400,-- ca. 50,--
Gesamtnetto:
1.438,-- - 1.588,-- 2.907,-- -3.157,-- 2.650,-- 1.820,-- 2.770,-- 1.850,--

Beispiel 2: Lokführer, 40 J.alt,verh., 2Kinder, 17 J. Berufserfahrung
Deutschland Schweiz Spanien Niederlande Frankreich Italien
Netto 1.628,--EURO 4.455,--E 2.040,-- E 2.175,-- E 2.370,--E 2.300,--E
Zulag.150,-- -300,-- 250,-- -530,-- ca.1.100,-- ca. 250,-- ca.400,-- ca.100,--
Gesamtnetto:
1.778,-- -1.928,-- 4.705,-- -4.985,-- 3.140,-- 2.425,-- 2.770,-- 2.300,--

Unser Kommentar weiter: Dass Handlungsbedarf besteht, bezweifelt wohl kaum jemand. Die Lokführer haben nun den Anfang gemacht. Kaum anzunehmen ist, dass sie sich als "Privilegierte" sehen, eher als unterbezahlte Berufsgruppe. Ist die Bahnführung konsequent in ihrer Haltung (weil sie die Berufsgruppe Lokführer nicht separat herausgehoben sehen will), müßte sie auch die anderen Berufsgruppen der Bahn in vergleichbarer Verantwortung künftig besserstellen.
Wer´s bezahlen soll? Das ist natürlich problematisch. Der Börsengang der "Deutsche Bahn AG" würde möglicherweise weiter nach hinten geschoben werden - auf unbestimmte Zeit.
Roland Kleinhempel/Freiberuflicher Redakteur alphaCam/AVM 8.11.2007
Ausbau der Straßenbahnlinie 1 in Ulm - Erster Spatenstich am 28. August 2007
Am 28.August 2007 erfolgte der 1.Spatenstich für den Ausbau der Linie 1 der Ulmer Straßenbahn Richtung Böfingen, einem jungen Stadtteil aus der Nachkriegs-Ära mit etwa 11.000 Einwohnern. Zu diesem Ereignis an der jetzigen Endschleife Friedrichsau im Osten Ulms erschienen viele Vertreter der Kommunalpolitik, der Stadtverwaltung, der SWU, der beteiligten Firmen und neugierige Bürger, zumal die Diskussion Pro und Contra Straßenbahn schon seit über einem Jahrzehnt die Gemüter bewegte. Gab es damals doch eine politische Gruppierung, welche die Straßenbahn in Ulm ganz abschaffen wollte, zugunsten dichterer Busverbindungen. Ein Bürgerentscheid gegen das einst geplante 5-Linienkonzept (Ulm besitzt nur noch eine Linie, die Eins zwischen Donauhalle/Friedrichsau im Osten und der Vorstadt Söflingen im Westen, die Linie durchquert das Zentrum über den Hbf) stellte die Weiterexistenz der Straßenbahn zunächst in Frage. Die Bürger waren mit dieser 5-Linien-Lösung offenbar überfordert. Einer weisen, behutsamen Stadtpolitik in der Folge ist es zu verdanken, die Bürger wieder für die Straßenbahn zu gewinnen, indem man "kleinere Brötchen" buk und dafür lieber für die Modernisierung der bestehenden Linie 1 warb, z.B. mit der Einführung des Combino (anstelle der veralteten GT4 - Gelenktriebwagen).
Ein Beitrag zum Erhalt u. der Modernisierung der Ulmer Straßenbahn ist damals auch durch unseren alphaCam-Filmverlag geliefert worden: Der Film Nr. 14 "100 Jahre Straßenbahn Ulm/Neu-Ulm" zeigte in einem Zusatzfilm positive Entwicklungen des ÖPNV (Straßenbahnen) am Beispiel Freiburg, Karlsruhe u. Straßburg. Der Film wurde dem Ulmer OB Ivo Gönner u. allen Fraktionen im Rathaus öffentlich überreicht. In der Folge fuhren die Vertreter der Stadt auch in diese Städte, um sich vor Ort zu informieren. Ulm hat sich seine Straßenbahn also erhalten und ist nach der Einführung des Combino vor wenigen Jahren (siehe Parallelbeiträge zur Historie der Ulmer Straßenbahn) auf einem guten Weg, den ÖPNV leistungsfähig auszubauen. Die logische Folge ist nun die Verlängerung der Trasse von jetzt 5,5 km auf dann ca. 10km - eine Verdoppelung also. 50.000 Einwohner leben direkt an der Trasse.
Zum Projekt selbst: 20,5 Mio EURO werden verbaut. Bauzeit: 15 Monate. 13 Mio EURO übernimmt das Land über das GFG (Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz). Den Rest übernehmen Stadt und SWU. Die jetzige Endschleife wird zum Haltepunkt direkt vor der Messehalle, also 150 Meter weiter östlich. Künftige Endschleife in Böfingen wird unweit des Ostpreußenweges sein. Die Tram übernimmt zwischen Egertweg u. Ostpreußenweg die Funktion der heutigen Buslinie 4. Vom Donauniveau (Donauhalle) steigt die Trasse nach Böfingen hinauf auf rd. 1.700 Meter mit bis zu 7,7 Prozent an, für die neue Combino-Generation kein technisches Problem.
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Probefahrten wird es allerdings 2008 geben, um das Bremsverhalten im Gefälle zu testen. Immerhin wiegt ein Combino-Fahrzeug leer bereits 36 Tonnen.Um auf der dann längeren Strecke den Fahrtakt halten zu können, wurden bereits 2 weitere Combino-Fahrzeuge bei Siemens bestellt. Die Gleise werden umweltfreundlich integriert (teils in einen alleeartig bepflanzten Stadtboulevard, teils als Rasengleis ausgelegt,z.B. ab Pfarrer-Delp-Weg bis Endpunkt und zwischen Donauhalle u. Hohem Steg).
130.000 cbm Erde sind zu bewegen, 70 km Kabel sind in Kanälen zu verlegen, 400 Kabelschächte einzubringen, 13.000 cbm Gleisschotter zu verarbeiten, 14.000 Betonschwellen zu verlegen,
Länge der zu verlegenden Schienen: 20 km. Anbei ein Foto vom 1. Spatenstich am 28.August 2007 um 10:30 Uhr an der Endhaltestelle Donauhalle.Von links: A.Häußler,A.Endres,I.Wortmann(SWU Verkehr),OB Ivo Gönner, Matthias Berz (SWU-Chef), K.Mezger.
Lesermeinung:Frau Claudia Tugemann, Neu-Ulm zur Verlängerung der Straßenbahnlinie 1 nach Ulm-Böfingen
Ein ganz wichtiges für den Straßenbahnbetrieb der SWU (Stadtwerke Ulm) steht ja nun unmittelbar bevor - der Beginn der Bauarbeiten für die Erweiterung der Strecke nach Böfingen, was nahezu einer Verdoppelung der bestehenden Streckenlänge entspricht.Ehrlich gesagt, war es ja auch allerhöchste Zeit dafür, sollten nicht alle Bekenntnisse in Ulm zu diesem Thema nur Lippenbekenntnisse bleiben. Aus Sicht der betroffenen Bürger, die endlich eine schnelle, leistungsfähige Verbindung in die Innenstadt bekommen, und aller Nutzer des ÖPNV-Systems in Ulm und Neu-Ulm wird damit endlich ein (hoffentlich) wegweisendes Signal zum Ausbau des schienengebundenen Nahverkehrs in Ulm gesetzt.
Zu wünschen wäre, dass die SWU-Verkehr mit ihrem rührigen Chef I. Wortmann mit gleichem Elan an weitere Ausbau-Vorhaben gehen. Dringend nötig wäre die (Wieder-)Umstellung des Verkehrs auf der Linie 4 zum Kuhberg mit seinem enorm hohen Verkehrsaufkommen, vielleicht mit zunächst einem Teilprojekt Kuhberg-Donauhalle mit Überlagerung der Taktzeiten im Innenstadtbereich zwischen Ehinger Tor und Donauhalle.
Zu wünschen wäre auch, dass die Überlegungen des Neu-Ulmer OB Nörenberg zur nunmehrigen "Doch-Einbindung" von Neu-Ulm (bayerische Seite/Ulm gehört zu Baden-Württ./Anm.der Red.) ins Straßenbahnnetz nicht nur Wahlkampfgetöse bleiben, sondern konkrete Umsetzungen nach sich ziehen. Hier wären die beiden Linienäste nach Pfuhl(-Burlafingen) und Ludwigsfeld vorrangig zu realisieren! Allein vom zu erwartenden Verkehrsaufkommen her können beide Linien ein vergleichbares Potential wie die bevorstehende Realisierung der Strecke nach Böfingen aufweisen! Claudia Tugemann, Neu-Ulm
SONDERFAHRT KSW 506 in AUGSBURG am 29.JULI 2007
Wer möchte noch mitfahren? Nahverkehrsfreunde aus Augsburg haben uns folgendes mitgeteilt: Am Sonntag, dem 29. Juli 2007 (10 Uhr Abfahrt am Straßenbahnbetriebshof Rotes Tor/Ausfahrtstor)befährt der historische KSW 506 mehrere interessante Streckenabschnitte. Geplant und genehmigt sind: Linie 1: Rathausplatz-Moritzplatz-Göggingen u. zurück/Linie 2: P&R Augsburg West-Haunstetten Nord u. zurück. Linie 3: Hbf-Messezentrum u. zurück. Linie 4: Augsburg-Nord-Hbf u. zurück. Linie 9: Messezentrum-Hbf u. zurück (s.Linie 3). Änderungen vorbehalten. Bei dieser "Stadtrundfahrt" sind Fotohalte/Scheinanfahrten geplant (entsprechend des verfügbaren Zeitpuffers im normalen Sonntags-Fahrplan). Verfügbar: 20 Sitzplätze/25 Stehplätze. Preis: EURO 13,50.
Kinder,Schüler,Azubi,Studenten,Arbeitslose,Behinderte mit Ausweis fahren zum Sonderpreis: EURO 8,--
Platzvergabe i.d. Reihenfolge der Anmeldungen.Anmeldungen per e-mail: lechhausen_style@hotmail.de
Dort erfahren Sie auch die Kto-Verbindung. Barzahlung bei Fahrtantritt ebenso möglich. Voranmeldung in jedem Falle wichtig, um Resonanz festzustellen. Bitte kurz vor dem 29.Juli anfragen,ob die Fahrt stattfinden kann ( das hängt von der Ausbuchung ab).

Zum KSW TW 506 (Kriegs-Straßenbahn-Wagen): Er wird auch "Heidelberger" genannt. Produziert: 1942-1948). Unser TW 506 wurde in der letzten Serie 1948 gebaut.
Dies übermittelten uns Patrick Strack u. Christian Uffinger, beide Augsburg.

Für die Übermittlung dieser Nachricht (Fakten könnten sich ändern)und die Durchführung der Veranstaltung übernimmt das Forum k e i n e Verantwortung. Persönliche Rückfrage der Interessenten beim Veranstalter wird empfohlen.
Stand: 9.7.2007
Ergänzende historische Bilder zum Thema: 110 J. Strassenbahn ULM/NEU-ULM

in der Gallerie finden Sie nun unter der Rubrik "Ulmer Strassenbahnen historisch" einige Bilder zum Thema.